Wie wird Plastik recycelt?

Wie wird Plastik recycelt
Wie wird Plastik recycelt

Rund 68,9 Prozent der deutschen Kunststoffabfälle wurden 2023 einer Verwertung zugeführt – das klingt gut, bis man die Details betrachtet. Ein Teil davon ist werkstoffliches Recycling, bei dem aus altem Kunststoff neuer entsteht. Ein erheblicher Teil ist thermische Verwertung, also Verbrennung zur Energiegewinnung. Was wirklich als Recycling zählt und wie der Prozess funktioniert, ist komplizierter als der Begriff vermuten lässt.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ElpyQe2EVXc

Von der Gelben Tonne zur Sortieranlage: Der erste Schritt

Der Recyclingprozess beginnt nicht in der Anlage, sondern beim Einwurf. Was in die Gelbe Tonne gelangt, ist entscheidend für die Qualität des weiteren Prozesses. Fehlwürfe – falsche Materialien, Lebensmittelreste, Schmutz – verschlechtern die Sammelfraktion und erschweren oder verhindern das Recycling.

Aus der Gelben Tonne kommt das Material zur Sortieranlage. Dort läuft ein mehrstufiger Trennprozess:

  1. GrobsortierungMechanische Trennung nach Größe: Siebe und Windsichter entfernen Papier, Glas und andere Fehlwürfe. Große Teile werden separat aussortiert.
  2. Nahinfrarot-Sortierung (NIR)Das Herzstück moderner Sortieranlagen. Infrarotstrahlen treffen auf das Fördergut; verschiedene Kunststoffarten reflektieren unterschiedliche Wellenlängen. Ein Computersystem erkennt das Material und steuert Druckluftdüsen, die den Kunststoff in die richtige Fraktion blasen. So werden PET, PE, PP und andere Polymere voneinander getrennt.
  3. FarbsortierungOptische Sensoren trennen nach Farbe. Transparentes PET ist besonders wertvoll und wird separat sortiert. Dunkle Kunststoffe, die IR-Strahlen stark absorbieren, sind schwerer zu erkennen und schlechter recyclierbar.
  4. Manuelle NachsortierungQualitätskontrolle durch Mitarbeiter, die verbleibende Fehlwürfe und Kontaminationen entfernen.

Mechanisches Recycling: Was mit sortierten Kunststoffen passiert

Mechanisches Recycling ist das dominierende Verfahren. Es hält das Material als Werkstoff erhalten:

  1. Waschen und ReinigenSortierte Kunststoffe werden zerkleinert (Schreddern) und in Wasserbädern gewaschen, um Lebensmittelreste, Klebstoffe und andere Verunreinigungen zu entfernen.
  2. Trennung im WasserbadViele Kunststoffe haben unterschiedliche Dichten: PE und PP schwimmen, PET und PS sinken. Diese Eigenschaft nutzt die Sink-Schwimm-Trennung zur weiteren Aufreinigung.
  3. Trocknen und GranulierenDas gereinigte Material wird getrocknet, geschmolzen und zu Granulat (Rezyklat) verarbeitet. Dieses Granulat ist der Sekundärrohstoff, aus dem neue Produkte entstehen.
  4. Verarbeitung zu neuen ProduktenPET-Rezyklat wird zu neuen Flaschen, Textilfasern oder Folien. PE-Rezyklat zu Müllsäcken, Rohren, Verpackungen. PP-Rezyklat zu Behältern, Möbelteilen, Fahrzeugkomponenten.
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Kunststofftyp Recyclierbarkeit Typische Folgeprodukte Besonderheit
PET (①) Sehr gut (sortenrein) Neue Flaschen, Textilfasern, Folien Transparentes PET besonders wertvoll
HDPE (②) Gut Behälter, Rohre, Müllsäcke Einer der am häufigsten recycelten Kunststoffe
PVC (③) Schwierig Rohre (sortenrein), Bodenbeläge Chlorgehalt erschwert Prozess
LDPE (④) Gut (Folien) Folien, Müllsäcke Foliensammlung oft separat
PP (⑤) Gut Behälter, Möbel, Fahrzeugteile Breites Anwendungsspektrum
PS (⑥) Begrenzt Nur sortenrein sinnvoll verwertbar Styropor hat eigene Sammelsysteme
Verbundmaterialien (⑦) Schwierig bis nicht möglich Meist thermische Verwertung Mehrschichtig, nicht trennbar

Chemisches Recycling: Was es kann und was (noch) nicht

Chemisches Recycling zerlegt Kunststoffe in ihre chemischen Bausteine zurück – in Monomere oder Rohöläquivalente. Das ermöglicht theoretisch das Recycling von Materialien, die mechanisch nicht verwertbar sind: Verbundmaterialien, stark kontaminierte Kunststoffe, gemischte Fraktionen.

Verfahren:
– Pyrolyse: Erhitzen unter Sauerstoffausschluss. Kunststoffe werden zu Öl oder Gas zersetzt, das als Rohstoff für die Petrochemie oder als Kraftstoff verwendet werden kann.
– Depolymerisation: Chemische Zerlegung in Monomere, aus denen neuer Kunststoff in Originalqualität hergestellt werden kann. Bisher nur für wenige Materialien wie PET und Nylon großtechnisch verfügbar.
– Solvolyse: Lösung des Polymers in chemischen Lösemitteln, Rückgewinnung der Bestandteile.

Chemisches Recycling ist energieintensiver als mechanisches und befindet sich für die meisten Kunststofftypen noch in der Skalierungsphase. Es ergänzt das mechanische Recycling, ersetzt es aber nicht.

Plastik recyclen
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Wo Deutschland beim Kunststoffrecycling steht

Die dualen Systeme haben 2024 bei Leichtverpackungen (Gelbe Tonne) eine Recyclingquote von rund 53 Prozent erreicht und damit die gesetzliche Vorgabe von 50 Prozent erfüllt. Die Gesamtrecyclingquote für alle Kunststoffe lag 2023 bei 68,9 Prozent – wobei hier mechanische Verwertung, chemische Verwertung und thermische Verwertung zusammengezählt werden.

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✅ Vorteile❌ Nachteile
Werkstoffliches Recycling erhält das Material als Kunststoff erhalten und schließt den KreislaufThermische Verwertung verbrennt den Werkstoffwert und schließt den Kreislauf nicht
Gut sortierte, saubere Fraktionen erreichen hohe Qualitäten als RezyklatVerbundmaterialien und Mischkunststoffe sind kaum hochwertig recycelbar
Recyceltes PET aus deutschen Systemen wird bereits als rPET in Flaschen eingesetzt (EU-Vorgabe: 25 % ab 2025)Dunkle Kunststoffe sind für NIR-Sortierung schwer erkennbar und landen häufiger in der thermischen Verwertung

Was Herausforderungen für das Recycling sind

  • Verbundmaterialien: Kombinationen aus verschiedenen Kunststoffen oder Kunststoff mit anderen Materialien (Tetrapak: Papier + PE + Aluminium) sind maschinell kaum sauber trennbar. Sie landen meist in der thermischen Verwertung.
  • Dunkle Farben: Dunkle Pigmente, besonders Carbon Black, absorbieren Infrarotstrahlung und machen automatische NIR-Erkennung schwierig. Schwarze Verpackungen werden daher häufiger falsch sortiert.
  • Kleinstmengen und Kleinteile: Sehr kleine Verpackungen (unter 5 cm) fallen durch Sortiergitter und landen im Fehlstoff.
  • Kontamination: Lebensmittelreste in der Sammelfraktion verunreinigen das Material. Kurzes Ausspülen vor dem Einwurf verbessert die Qualität der Fraktion.
  • Rezyklat-Nachfrage: Sekundärrohstoffe aus Recycling konkurrieren mit günstigem Primärkunststoff aus Erdöl. Wenn Erdöl günstig ist, sinkt die Nachfrage nach Rezyklat. Die EU-PPWR schreibt Mindest-Recyclatanteile vor, um dies zu regulieren.

Was Verbraucher beim Einwurf beitragen können

Die Qualität des Recyclingprozesses hängt maßgeblich davon ab, was in die Sammelgefäße eingeworfen wird. Konkrete Maßnahmen:

Verpackungen kurz ausspülen (nicht reinwaschen, kurzes Abspülen reicht). Deckel auf Flaschen lassen – sie werden in der Sortieranlage getrennt. Keine Fehlwürfe: Elektroschrott, Glas, Papier, Lebensmittelabfälle gehören nicht in die Gelbe Tonne. Im Zweifel die App „Mülltrennung wirkt“ nutzen.

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Wer verstehen möchte, warum Plastik in der Umwelt ein Problem ist, findet im Artikel über warum Plastik schädlich für die Umwelt ist die ökologischen Hintergründe. Für die richtige Entsorgung von Hartplastik-Gebrauchsgegenständen bietet der Artikel über Hartplastik entsorgen eine Übersicht.

Zusammenfassung: Kunststoffrecycling-Quote Deutschland 2024: 53 % Leichtverpackungen (über gesetzlicher Vorgabe), 68,9 % alle Kunststoffe inkl. thermischer Verwertung (2023). Herzstück der Sortierung ist NIR-Technik (Nahinfrarot). Verbundmaterialien, dunkle Kunststoffe und Kontamination sind die größten Hemmnisse. Chemisches Recycling ergänzt das mechanische, ist aber noch nicht flächendeckend skaliert.

Häufige Fragen zum Plastikrecycling

Moderne Sortieranlagen nutzen Nahinfrarot-Sensoren (NIR), die verschiedene Kunststofftypen anhand ihrer Reflexionseigenschaften erkennen. Druckluftdüsen lenken die erkannten Materialien in die richtigen Fraktionen. Ergänzt wird die automatische Sortierung durch Farbsensoren und manuelle Nachsortierung zur Qualitätskontrolle.
Thermische Verwertung bedeutet Verbrennung. Der Heizwert des Kunststoffs wird zur Energiegewinnung genutzt – oft in Müllverbrennungsanlagen mit Strom- und Wärmeproduktion. Das Material selbst geht verloren und wird nicht als Werkstoff recycelt. Thermische Verwertung gilt in der Abfallhierarchie schlechter als werkstoffliches Recycling, besser als Deponierung.
Schwarze Pigmente, besonders Carbon Black, absorbieren Infrarotstrahlung vollständig. Das macht sie für NIR-Sortiersysteme unsichtbar – das System kann den Kunststofftyp nicht erkennen. Schwarze Verpackungen landen daher häufiger in Mischfraktionen, die thermisch verwertet werden. Einige Hersteller wechseln daher auf NIR-erkennbare Ersatzpigmente.
Mechanisches Recycling zerkleinert, wäscht und schmilzt den Kunststoff zu Granulat (Rezyklat), das als Sekundärrohstoff eingesetzt wird. Das Material bleibt Kunststoff. Chemisches Recycling zerlegt Kunststoff chemisch in Monomere oder Rohöläquivalente. Es ermöglicht die Verwertung von Materialien, die mechanisch nicht recycelbar sind, ist aber energieintensiver und noch nicht flächendeckend verfügbar.
Verpackungen kurz ausspülen (vollständig reinwaschen ist nicht nötig). Deckel auf Flaschen lassen. Keine Fehlwürfe in die Gelbe Tonne: Elektroschrott, Glas, Papier, Bioabfall gehören nicht hinein. Schwarze Verpackungen wo möglich durch helle oder farbige ersetzen. Bei Unsicherheit über die richtige Tonne die App „Mülltrennung wirkt“ nutzen.

– Unser Artikel wurde redaktionell unter Zuhilfenahme von KI erstellt. –