Wie wird Kunststoff hergestellt?

Wie wird Kunststoff hergestellt

Kunststoff ist aus der modernen Welt nicht wegzudenken: Verpackungen, Fahrzeugteile, Medizinprodukte, Elektronik, Textilien, Baumaterialien. Rund 430,9 Millionen Tonnen Kunststoff wurden 2024 weltweit produziert. Wie dieses Material entsteht, welche Rohstoffe dafür gebraucht werden und welche Verfahren die Industrie einsetzt – das erklärt dieser Artikel.

Die Rohstoffbasis: Fast ausschließlich fossil

Rund 92 Prozent aller weltweit produzierten Kunststoffe basieren auf fossilen Rohstoffen: Erdöl und Erdgas. Nur rund 2 bis 3 Prozent stammen aus nachwachsenden Rohstoffen (biobasierte Kunststoffe), der Rest aus Recyclat.

Die Herstellung beginnt in der Erdölraffinerie. Rohöl ist ein komplexes Gemisch aus Kohlenwasserstoffverbindungen unterschiedlicher Kettenlänge. In der Destillation wird es in verschiedene Fraktionen aufgetrennt: Benzin, Kerosin, Diesel, Heizöl und – für die Kunststoffproduktion besonders wichtig – Naphtha.

Naphtha wird durch Dampfcracken (Steam Cracking) bei Temperaturen von rund 800 bis 850 °C in kurzkettige Olefine zerlegt. Die wichtigsten Produkte:

  • Ethylen (Ethen): Grundbaustein für Polyethylen (PE) – einer der meistproduzierten Kunststoffe weltweit. Außerdem Ausgangsstoff für PET (Polyethylenterephthalat) und PVC (Polyvinylchlorid).
  • Propylen (Propen): Grundbaustein für Polypropylen (PP) – ebenfalls einer der meistproduzierten Kunststoffe.
  • Butadien: Ausgangsstoff für synthetischen Kautschuk.
  • Benzol, Toluol, Xylol (BTX-Aromaten): Ausgangsstoffe für Polystyrol (PS) und Nylon (Polyamid).

Wie wird Kunststoff hergestellt

Polymerisation: Aus kleinen Molekülen werden große

Das Herzstück der Kunststoffherstellung ist die Polymerisation. Dabei werden viele kleine Monomermoleküle zu langen Ketten verbunden – den Polymeren. „Poly“ bedeutet viele, „mer“ bedeutet Teil: ein Polymer ist ein Vielteiler.

Je nach Reaktionsmechanismus unterscheidet man:

Verfahren Mechanismus Typische Kunststoffe
Additionspolymerisation Monomere verbinden sich ohne Nebenprodukte direkt miteinander Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), PVC
Kondensationspolymerisation Monomere verbinden sich unter Abspaltung kleiner Moleküle (meist Wasser) Polyester (PET), Polyamid (Nylon), Polycarbonat (PC)
Polyaddition Zwei verschiedene Monomere reagieren ohne Abspaltung miteinander Polyurethan (PU), Epoxidharze

Die Kettenlänge, Verzweigung und räumliche Anordnung der Polymerketten bestimmen die Eigenschaften des fertigen Kunststoffs: Härte, Flexibilität, Transparenz, Temperaturbeständigkeit. Durch Variation der Prozessparameter – Temperatur, Druck, Katalysatoren – können Ingenieure diese Eigenschaften gezielt steuern.

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Additive: Was dem Kunststoff noch hinzugefügt wird

Reines Polymer ist selten das Endprodukt. Fast alle technischen Kunststoffe enthalten Additive, die die Verarbeitbarkeit und Eigenschaften verbessern:

  • Weichmacher: Erhöhen die Flexibilität, besonders bei PVC. Häufig verwendete Phthalate stehen unter kritischer Beobachtung; sie können aus Produkten austreten. In der EU sind bestimmte Phthalate für Kinderspielzeug und Lebensmittelkontakt eingeschränkt oder verboten.
  • Stabilisatoren: Schützen vor UV-Abbau, Wärme und Oxidation. Ohne Stabilisatoren würde Kunststoff an der Luft und im Sonnenlicht schnell spröde werden.
  • Flammschutzmittel: Machen Kunststoffe schwer entflammbar, z.B. für Elektronikgehäuse. Bestimmte bromierte Flammschutzmittel sind wegen Umweltpersistenz problematisch.
  • Farbstoffe und Pigmente: Für optische Eigenschaften. Schwarze Pigmente (Carbon Black) stören das Infrarot-Recyclingsortiersystem.
  • Füllstoffe: Kalziumcarbonat, Talkum oder Glasfasern erhöhen Stabilität und verringern den Polymeranteil.

Nach aktuellen Auswertungen sind mehr als 16.000 Chemikalien mit Kunststoffen verbunden, von denen rund 26 Prozent als bedenklich oder gefährlich gelten.

Wie wird Kunststoff hergestellt

Verarbeitungsverfahren: Wie Kunststoff seine Form bekommt

Das fertige Polymer liegt nach der Polymerisation meist als Granulat vor – kleine Kügelchen oder Pellets, die gut transportiert und dosiert werden können. In der Weiterverarbeitung wird das Granulat aufgeschmolzen und in Form gebracht.

Verfahren Funktionsprinzip Typische Produkte
Spritzguss Aufgeschmolzenes Polymer wird unter Druck in eine Metallform gespritzt Verpackungsdeckel, Fahrzeugteile, Gehäuse, Spielzeug
Extrusion Polymer wird durch eine Düse gepresst und ergibt endlose Profile oder Folien Rohre, Folien, Fensterprofile, Kabel
Blasformen Ein Schlauch wird in eine Form geblasen Flaschen, Kanister, Behälter
Tiefziehen Erwärmte Folie wird über eine Form gezogen Verpackungsschalen, Becher, Tabletts
Faserherstellung Polymer wird durch feine Düsen gesponnen Polyester-Textilien, Nylon-Seile, technische Fasern

Thermoplaste, Duroplaste, Elastomere: Die drei Hauptklassen

Kunststoffe werden nach ihrem Verhalten beim Erwärmen in drei Hauptklassen eingeteilt:

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**Thermoplaste** werden beim Erwärmen weich und können neu geformt werden. Das ist die Grundvoraussetzung für mechanisches Recycling. Beispiele: PE, PP, PET, PS, PVC. Thermoplaste machen den größten Teil der Kunststoffproduktion aus.

**Duroplaste** (oder Duromere) reagieren beim ersten Erhitzen aus und sind danach nicht mehr umformbar. Sie sind chemisch stärker vernetzt. Beispiele: Epoxidharz, Melamin, Polyurethan-Schaumstoffe. Duroplaste sind mechanisch nicht recyclierbar.

**Elastomere** sind gummielastisch und kehren nach Verformung in ihre ursprüngliche Form zurück. Beispiel: synthetischer Kautschuk für Reifen, Dichtungen. Thermoplastische Elastomere (TPE) verbinden Eigenschaften beider Klassen.

Biobasierte Kunststoffe: Stand der Technik

Biobasierte Kunststoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais-, Zuckerrohr-, Cellulose- oder Stärkebasiertem Ausgangsmaterial hergestellt. Sie machen rund 2 bis 3 Prozent der globalen Kunststoffproduktion aus.

Wichtig: Biobasiert und biologisch abbaubar sind nicht dasselbe. Bio-PE (aus Zuckerrohr) ist biobasiert, aber nicht biologisch abbaubar – es verhält sich im Meer oder Boden wie konventionelles PE. PLA (Polymilchsäure, aus Mais) ist biobasiert und biologisch abbaubar, aber nur unter industriellen Kompostierungsbedingungen.

Nachhaltigkeit in der Kunststoffindustrie

Was die EU-Regulierung vorschreibt

Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR, in Umsetzung) schreibt Mindest-Recyclatanteile und Recyclierbarkeitsanforderungen für Kunststoffverpackungen vor. Ab 2025 müssen PET-Flaschen zu 25 Prozent aus recyceltem Material bestehen, ab 2030 zu 30 Prozent. Die EU-Batterieverordnung (seit Juli 2024) verpflichtet Hersteller zur CO2-Bilanzierung von Fahrzeugbatterien.

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Wer mehr darüber erfahren möchte, was mit Kunststoff nach der Nutzung passiert, findet im Artikel über wie Plastik recycelt wird Hintergründe zu Sortierung und Verwertungsverfahren. Die ökologischen Probleme durch Kunststoff in der Umwelt erklärt der Artikel über warum Plastik schädlich für die Umwelt ist.

Zusammenfassung: 92 % aller Kunststoffe basieren auf Erdöl/Erdgas. Rohöl wird zu Naphtha, durch Dampfcracken zu Ethylen und Propylen, durch Polymerisation zu Polymeren. Verarbeitungsverfahren: Spritzguss, Extrusion, Blasformen. Thermoplaste sind mechanisch recyclierbar, Duroplaste nicht. Biobasierte Kunststoffe machen 2–3 % der Produktion aus; biobasiert ≠ biologisch abbaubar.

Häufige Fragen zur Kunststoffherstellung

Rund 92 Prozent aller weltweit produzierten Kunststoffe basieren auf fossilen Rohstoffen, hauptsächlich Erdöl und Erdgas. Aus Rohöl wird in der Raffinerie Naphtha gewonnen, das durch Dampfcracken zu Ethylen und Propylen wird – den wichtigsten Grundbausteinen für Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP).
Polymerisation ist der chemische Prozess, bei dem viele kleine Monomermoleküle zu langen Ketten – Polymeren – verbunden werden. Die Kettenlänge, Verzweigung und Anordnung der Ketten bestimmen die späteren Eigenschaften des Kunststoffs: Härte, Flexibilität, Transparenz, Temperaturbeständigkeit.
Thermoplaste werden beim Erwärmen weich und können neu geformt werden – das ist die Voraussetzung für mechanisches Recycling. Beispiele: PE, PP, PET, PS. Duroplaste reagieren beim ersten Erhitzen irreversibel aus und sind nicht umformbar. Sie sind mechanisch nicht recyclierbar. Beispiele: Epoxidharz, Melamin.
Nein. Biobasiert und biologisch abbaubar sind verschiedene Eigenschaften. Bio-PE aus Zuckerrohr hat dieselbe chemische Struktur wie konventionelles PE und ist nicht biologisch abbaubar. PLA ist biobasiert und biologisch abbaubar, aber nur unter industriellen Kompostierungsbedingungen (mind. 60 °C), nicht im Hausgarten oder Meer.
Phthalate, die häufig als Weichmacher in PVC eingesetzt werden, können aus dem Kunststoff austreten und in die Umgebung gelangen. In der EU sind bestimmte Phthalate für Kinderspielzeug und Lebensmittelkontaktmaterialien eingeschränkt oder verboten. Insgesamt sind nach aktuellen Auswertungen mehr als 16.000 Chemikalien mit Kunststoffen verbunden, von denen rund 26 Prozent als bedenklich oder gefährlich gelten.

– Unser Artikel wurde redaktionell unter Zuhilfenahme von KI erstellt. –