Die Energiewende ist in Deutschland kein Zukunftsprojekt mehr, sondern Alltag. Im Jahr 2025 stammten rund 56 Prozent des in das öffentliche Netz eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Quellen, so das Fraunhofer ISE. Windkraft ist dabei die wichtigste Stromquelle, gefolgt von Photovoltaik, die 2025 erstmals die Braunkohle im Strommix überholte. Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen. Der Weg dorthin ist eingeschlagen, aber die nötige Ausbaugeschwindigkeit bleibt eine Herausforderung.

Was ist mit Energiewende gemeint?
Der Begriff Energiewende beschreibt den Umbau der Energieversorgung von fossilen Brennstoffen und Kernenergie hin zu erneuerbaren Energiequellen. In Deutschland umfasst das mehrere Bereiche gleichzeitig: die Stromerzeugung, die Wärmeerzeugung für Gebäude und Industrie sowie den Verkehrssektor.
Zu den erneuerbaren Energien zählen:
Der Atomausstieg: Was 2023 abgeschlossen wurde
Am 15. April 2023 gingen die letzten drei deutschen Kernkraftwerke vom Netz. Damit ist Deutschland aus der Atomkraft ausgestiegen. Die Debatte darüber, ob das richtig oder falsch war, ist politisch weiterhin lebendig. Fest steht, dass der Strom, den die abgeschalteten Kernkraftwerke produzierten, seither durch einen Mix aus erneuerbaren Energien, Gas und Importen ersetzt wird.

Die Hintergründe des deutschen Atomausstiegs reichen bis zu den Reaktorunfällen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011). Tschernobyl gilt als eine der schwersten Industriekatastrophen der Menschheitsgeschichte. Die Explosion des Reaktorblocks 4 am 26. April 1986 kontaminierte weite Teile der Ukraine und Weißrusslands. Die rund 50.000 Einwohner der Stadt Prypjat wurden evakuiert, insgesamt mussten in den Folgemonaten rund 210.000 Menschen ihre Heimat verlassen. Große Teile der Sperrzone werden nach Expertenschätzungen noch bis weit ins nächste Jahrhundert nicht wieder besiedelt werden können.
Fukushima im März 2011 verstärkte in Deutschland die politische Entschlossenheit zum Ausstieg. Die Bundesregierung beschloss den beschleunigten Atomausstieg, der nun vollzogen ist.
Vorteile der Energiewende
- Keine Brennstoffkosten: Wind und Sonne sind kostenlos. Die Grenzkosten der Stromerzeugung aus Photovoltaik und Windkraft liegen nahe null, was langfristig stabilisierend auf die Strompreise wirkt.
- Weniger Importabhängigkeit: Fossile Brennstoffe müssen in großen Mengen importiert werden. Der Ukrainekrieg 2022 hat gezeigt, wie riskant diese Abhängigkeit ist. Erneuerbare Energien werden im eigenen Land erzeugt.
- Dezentralität: Viele kleine Erzeuger statt weniger großer Kraftwerke. Fällt eine Windkraftanlage aus, betrifft das nur einen kleinen Teil der Versorgung.
- Kein radioaktiver Abfall: Anders als bei Kernkraft entstehen keine langlebigen radioaktiven Abfälle, für die es bis heute kein dauerhaftes Endlager gibt.
- Wirtschaftliche Chancen: Deutschland ist einer der führenden Exporteure von Windkraft- und Solartechnologie. Der Ausbau erneuerbarer Energien schafft Arbeitsplätze in Industrie, Handwerk und Dienstleistungen.
Nachteile und Herausforderungen
- Wetterabhängigkeit: Windkraft produziert nur bei Wind, Photovoltaik nur bei Sonnenschein. An windstillen, bewölkten Tagen muss der Bedarf durch Speicher, Importe oder andere Quellen gedeckt werden.
- Speicherbedarf: Um Überproduktion zu speichern und Flauten zu überbrücken, werden Batteriespeicher, Pumpspeicherkraftwerke und mittelfristig Wasserstoff benötigt. Die nötigen Kapazitäten sind noch im Aufbau.
- Netzausbau: Strom aus Windkraftanlagen im Norden muss in Industrieregionen im Süden transportiert werden. Der Ausbau der Übertragungsnetze ist teuer und aufwändig.
- Flächenbedarf: Windparks und Solarfelder benötigen Fläche, die auch für Landwirtschaft, Naturschutz oder Wohnungsbau beansprucht wird. Konflikte um die Flächennutzung sind in vielen Regionen ein Thema.
- Kosten des Umbaus: Der Ausbau erneuerbarer Energien und der Rückbau konventioneller Kraftwerke verursachen erhebliche Investitionskosten, die letztlich über die Netzentgelte und Strompreise getragen werden.

Wie weit ist Deutschland beim Ziel?
Das Ziel der Bundesregierung lautet: 80 Prozent erneuerbarer Strom bis 2030. Stand 2025 liegt der Anteil bei rund 56 Prozent im öffentlichen Netz (Fraunhofer ISE). Das entspricht einer erheblichen Steigerung gegenüber den rund 17 Prozent im Jahr 2010, zeigt aber auch, dass der nötige Ausbau in den verbleibenden Jahren erheblich beschleunigt werden muss.
Besonders dynamisch wächst die Photovoltaik. Die installierte Kapazität stieg 2025 um rund 17 Prozent auf fast 120 GW. Windkraft an Land und auf See bleibt die größte Einzelquelle. Biomasse und Wasserkraft ergänzen den Mix, wachsen aber langsamer.
Was die Energiewende für Verbraucher bedeutet
Für private Haushalte sind die unmittelbarsten Auswirkungen der Energiewende in den Strompreisen sichtbar. Die Preise für Haushaltsstrom lagen Anfang 2026 laut Bundesnetzagentur bei rund 29 bis 31 Cent pro Kilowattstunde. Der Anteil der Netzentgelte und Steuern ist dabei erheblich.
Gleichzeitig sinken die Erzeugungskosten erneuerbarer Energien kontinuierlich. Photovoltaik ist heute eine der günstigsten Stromerzeugungsarten überhaupt, wenn man allein die Betriebskosten betrachtet. Wer eine eigene Solaranlage auf dem Dach hat, erzeugt Strom zu Kosten von rund 10 bis 12 Cent pro kWh, deutlich unter dem Einkaufspreis aus dem Netz.
Für Verbraucher lohnt sich ein Blick auf den eigenen Stromanbieter. Wer zu einem Anbieter mit zertifiziertem Ökostrom wechselt, unterstützt direkt den Ausbau erneuerbarer Energien. Mehr zum Thema Energiesparen steht im Beitrag Energiesparen durch Umdenken sowie im Artikel über Solaranlagen für das eigene Haus.
Die Energiewende ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein laufender Umbau eines der komplexesten Infrastruktursysteme überhaupt. Die Richtung ist klar, die Geschwindigkeit ist die entscheidende Frage.








