Getränkekartons – häufig unter dem Markennamen Tetrapack bekannt, obwohl Tetra Pak nur einer von mehreren Herstellern ist – gehören in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack. Nicht in die Papiertonne. Das ist die wichtigste Information, und sie wird erstaunlich häufig falsch gemacht.
Warum die Unterscheidung relevant ist, was mit Getränkekartons im Recycling passiert, und wie die tatsächliche Verwertungsquote aussieht: dieser Artikel erklärt es.
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Was ein Getränkekarton ist: Verbundverpackung aus drei Materialien
Getränkekartons sind Verbundverpackungen. Das bedeutet: Sie bestehen aus mehreren unterschiedlichen Materialien, die fest miteinander verbunden sind. Ein typischer Getränkekarton setzt sich zusammen aus:
| Material | Anteil (ca.) | Funktion |
|---|---|---|
| Karton (Cellulosefasern) | ca. 75 % | Stabilität und Formgebung |
| Polyethylen (PE) | ca. 20 % | Feuchtigkeitsschutz, Siegelung der Schichten |
| Aluminium | ca. 5 % | Schutz vor Licht und Sauerstoff (nur bei H-Milch und Säften ohne Kühlung) |
Diese Verbindung aus Karton, Kunststoff und teils Aluminium macht den Karton einerseits funktional – lichtdicht, flüssigkeitsfest, lange haltbar – und andererseits schwieriger zu recyceln als sortenreine Materialien.
Wohin gehört der Getränkekarton: Gelbe Tonne, immer
Die Regelung ist eindeutig und gilt bundesweit:
- Gelbe Tonne / Gelber Sack: Alle Getränkekartons und Verbundverpackungen. Ob Milchkarton, Safttüte, Suppenkarton oder Weinkarton – alle gehören hierher.
- Nicht in die Papiertonne: Auch wenn der Karton sich papierähnlich anfühlt. Die Beschichtung macht ihn zu einem Verbundmaterial, das das Altpapierrecycling stört.
- Nicht in den Restmüll: Im Restmüll wird die Verwertung verhindert.
- Vorher vollständig entleeren: Flüssigkeitsreste erschweren die Sortierung und beeinträchtigen die Qualität des Recyclingmaterials.
- Flachdrücken ist hilfreich: Spart Platz in der Tonne und in der Sammellogistik.

Was mit Getränkekartons im Recycling passiert
Getränkekartons werden in spezialisierten Anlagen verarbeitet. Der Prozess:
- Sammlung und TransportGetränkekartons werden aus der Gelben Tonne gesammelt, zur Sortieranlage transportiert und dort von anderen Verpackungsmaterialien getrennt.
- Auflösung im PulperIn der Recyclinganlage werden die Kartons in großen wassergefüllten Behältern (Pulpern) aufgelöst. Wasser löst die Cellulosefasern aus dem Verbund heraus. Der Kartonanteil – rund 75 Prozent – wird so vom Rest getrennt.
- Papierfasern verwertenDie abgetrennten Cellulosefasern werden als Sekundärrohstoff zu neuen Papierprodukten verarbeitet: Wellpappe, Karton, Tissue-Papier.
- PolyAl verwertenDer verbleibende Verbund aus Polyethylen und Aluminium – PolyAl genannt – wird entweder thermisch verwertet (Verbrennung zur Energiegewinnung) oder zu Bauprodukten wie Dachplatten und Palettenbelägen verarbeitet.
Die tatsächliche Recyclingquote: Eine differenzierte Betrachtung
Die offizielle Recyclingquote für Getränkekartons lag 2024 laut ZSVR und UBA bei 69,5 Prozent – und damit deutlich unter der gesetzlichen Vorgabe von 80 Prozent. Getränkekartons sind damit eine der Verpackungskategorien, bei der Deutschland die Ziele verfehlt.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die offizielle Quote: Ihrer Berechnung zufolge liegt die tatsächliche Recyclingquote, bezogen auf alle in Verkehr gebrachten Getränkekartons, nur bei rund 38 Prozent. Der Unterschied entsteht, weil die offizielle Quote sich nur auf die Menge bezieht, die tatsächlich in der Gelben Tonne gesammelt wird – nicht auf alle verkauften Kartons.
| Verpackungstyp | Recyclingquote 2024 | Gesetzliches Ziel | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Getränkekartons | 69,5 % | 80 % | Nicht erfüllt |
| Sonstige Verbundverpackungen | 61,5 % | 70 % | Nicht erfüllt |
| Kunststoffverpackungen | 70,8 % | 63 % | Erfüllt |
| Papier, Pappe, Karton | 91,8 % | 90 % | Erfüllt |
| Aluminium | 117,4 % | 90 % | Übererfüllt |
Quelle: ZSVR/UBA, Pressekonferenz Januar 2026 (Berichtsjahr 2024)
Häufige Fehler bei der Entsorgung von Getränkekartons
- In die Papiertonne werfen: Der häufigste Fehler. Getränkekartons bestehen zwar zu 75 % aus Karton, gehören aber wegen der PE- und Aluminium-Schichten in die Gelbe Tonne. In der Papiertonne stören sie den Recyclingprozess.
- Nicht vollständig entleeren: Flüssigkeitsreste – auch kleine Mengen – beeinträchtigen die Qualität des Recyclingmaterials und erschweren die Sortierung. Kurz ausschütteln und ggf. mit Wasser ausspülen.
- Ineinanderstapeln: Ineinander gesteckte Kartons können von den Sensoren in Sortieranlagen schwerer erkannt werden. Einzeln oder flachgedrückt einwerfen.
- Deckel dranlassen: Viele Kartons haben Kunststoffschraubverschlüsse. Diese können draufbleiben – sie werden in der Sortieranlage getrennt.
- In den Restmüll werfen: Im Restmüll ist keine Verwertung möglich.
Regionale Unterschiede: Was in der Gemeindesatzung gilt
Die Grundregel – Getränkekartons in die Gelbe Tonne – gilt bundesweit. In einigen Kommunen gibt es jedoch Wertstofftonnen, die sowohl Verpackungen als auch bestimmte Nicht-Verpackungsartikel aufnehmen. Die lokale Satzung kann sich in Details unterscheiden.
Die App „Mülltrennung wirkt“ der Initiative Mülltrennung Wirkt e.V. gibt nach Produkttyp und Postleitzahl Auskunft über lokale Entsorgungsregeln. Alternativ: Website des lokalen Abfallwirtschaftsbetriebs.
Was die DUH fordert: Pfand auf Getränkekartons
Die Deutsche Umwelthilfe fordert die Einführung eines Einwegpfands auf Getränkekartons, um die tatsächliche Rückgabe- und Recyclingquote deutlich zu erhöhen. Das Pfandsystem bei PET-Flaschen hat gezeigt, dass Pfand die Rückgabequoten auf über 90 Prozent heben kann.
Bislang gibt es kein Pfand auf Getränkekartons in Deutschland. Die Politik diskutiert das Thema, eine konkrete Umsetzung ist noch nicht beschlossen.
Alternativen zu Getränkekartons
Für einige Produkte gibt es Mehrwegalternativen, die keine Einwegverpackung erzeugen:
- Milch in Glasmehrwegflaschen: Bei Hofläden, Unverpackt-Läden und einigen Supermärkten erhältlich. Deutlich ressourceneffizienter als Einwegkarton oder Einwegplastikflasche.
- Saft selbst pressen oder aus der Frischtheke: Beim Wochenmarkt oder im Unverpackt-Laden oft in Mehrwegbehältern erhältlich.
- Wasser aus dem Hahn: Deutsches Leitungswasser ist eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel und in den meisten Regionen als Trinkwasser geeignet.
- Glasflaschen mit Pfand: Glasmehrwegflaschen (mit Pfandlogo) werden bis zu 50 Mal befüllt, bevor sie eingeschmolzen werden. Das ist ressourceneffizienter als jede Einwegverpackung.
Wer mehr über das Recycling verschiedener Materialien erfahren möchte, findet im Artikel über wie Plastik recycelt wird technische Hintergründe zur Sortierung und Verwertung. Für die Entsorgung anderer problematischer Materialien bietet der Artikel über Hartplastik entsorgen eine strukturierte Übersicht.
Häufige Fragen zur Entsorgung von Getränkekartons
– Unser Artikel wurde redaktionell unter Zuhilfenahme von KI erstellt. –








