Schenken erzeugt Müll. Geschenkpapier, Plastikverpackungen, Einwegdekoration, Produkte die niemand braucht und die nach kurzer Zeit im Schrank verschwinden: Die ökologische Bilanz konventioneller Geschenke ist häufig schlechter als gedacht. Dabei muss das keine grundsätzliche Frage sein, ob man überhaupt schenkt oder nicht, sondern vor allem eine Frage, was und wie man schenkt.
Nachhaltige Geschenkideen sind keine Kompromisslösung. Sie können genauso originell, persönlich und freudebringend sein wie herkömmliche Geschenke, manchmal sogar mehr, weil sie durchdachter sind. Dieser Artikel gibt einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Kategorien.

Erlebnisse statt Dinge: Die müllfreieste Option
Erlebnisgeschenke erzeugen keinen physischen Müll und keine Verpackung. Ein Gutschein für einen Kochkurs, eine Töpferwerkstatt, ein Konzert, einen Kletterkurs oder eine Stadtführung ist ein Geschenk, das keine Ressourcen in Form von Materialien verbraucht. Das ist ökologisch die sauberste Option.
Wichtig beim Erlebnisgeschenk: Es muss zum Empfänger passen. Ein Gutschein für etwas, das den anderen wirklich interessiert, ist ein persönliches Geschenk. Ein pauschaler Erlebnisgutschein ohne Bezug zum Empfänger wirkt oft beliebig.
Selbstgemachtes: Mit Aufwand statt Material
Selbst hergestellte Geschenke investieren Zeit und Aufwand statt Ressourcen. Selbstgemachte Marmelade, eingelegtes Gemüse, Kekse oder Pralinen in wiederverwendbaren Gläsern sind persönliche Geschenke, bei denen der Entstehungsprozess Teil der Aussage ist. Das Glas ist nach dem Verzehr wiederverwendbar, es entsteht kein Einwegmüll.
Weitere Optionen: handgemachte Bienenwachstücher als Alternative zu Plastikfolie, selbstgemachte Seife oder Lippenpflege in Metalldosen, handgeschriebene Bücher mit Rezepten oder Erinnerungen.
Kreative Ideen für nachhaltige Geschenke
Hier sind 15 Geschenkideen, die bewusst zusammengestellt statt beliebig eingekauft sind:
- Pflanzbare Grußkarten: Karten mit eingearbeiteten Samen, die nach dem Lesen eingepflanzt werden können. Erhältlich bei spezialisierten Papierwarenhändlern und online.
- Wiederverwendbare Kaffeebecher: Isolierbecher aus Edelstahl oder Glas für Menschen, die Kaffee unterwegs trinken. Einige Café-Ketten geben Rabatt bei eigenem Becher.
- DIY Bienenwachstücher: Selbst hergestellt aus Baumwollstoff und Bienenwachs, als Alternative zu Frischhaltefolie. Funktionieren für Brot, Käse und Obst.
- Upcycling-Taschen: Taschen aus recycelten Materialien wie alten Jeans, Segeltuch oder Kaffeesäcken von kleinen Manufakturen.
- Kleidung aus GOTS-zertifizierten Materialien: Bio-Baumwolle ohne Pestizide, mit nachvollziehbarer Lieferkette. GOTS-Siegel ist verlässlich.
- Saisonale Kochbox mit regionalen Zutaten: Gutschein für eine Kochbox mit Zutaten aus der Region, saisonal zusammengestellt.
- Solarbetriebene Gadgets: Solarlampen für Balkon oder Garten, Solarladegeräte für Reisen. Funktionieren ohne Netzstrom.
- Ausgewählte Second-Hand-Bücher: Ein Buch, das selbst gelesen und für den anderen als passend erkannt wurde. Mit handgeschriebenem Kommentar persönlicher als Neukauf.
- Workshop-Gutschein: Töpfern, Malen, Kochen, Buchbinden, Naturkosmetik – handwerkliche Workshops gibt es in vielen Städten. Erlebnis und Wissen statt Material.
- Naturkosmetik in Mehrwegverpackung: Feste Shampoos, Zahnputztabletten, Deocreme in Metalldosen oder Glastiegel erzeugen deutlich weniger Verpackungsmüll als konventionelle Produkte.
- Baumpflanz-Gutschein: Organisationen wie Plant-for-the-Planet oder Ecosia ermöglichen das Pflanzen von Bäumen im Namen des Beschenkten, mit Zertifikat.
- Kerzen aus Sojawachs oder Bienenwachs: Als Alternative zu Paraffinkerzen aus Erdöl. Bienenwachs aus regionalem Imkereibetrieb hat kurze Transportwege.
- Nachhaltige Reiseutensilien: Feste Reiseshampoos, Metallstrohhalme, Baumwollbeutel und wiederverwendbare Bestecksets für unterwegs.
- Selbstgemachte Lebensmittel: Hausgemachte Marmelade, Sirup, Chutney oder eingelegtes Gemüse in Schraubgläsern. Persönlich, ressourcenschonend und ohne Einwegverpackung.
- Fair-Trade-Schokolade oder Kaffee: Mit Fairtrade-Siegel gesichert, dass Erzeuger Mindestpreise erhalten. Als Geschenk mit Hintergrundgeschichte kombinierbar.

Nachhaltige Verpackung: Was statt Geschenkpapier
Herkömmliches Geschenkpapier ist häufig beschichtet oder laminiert und damit nicht recycelbar. Alternativen:
- Recyclingpapier oder Zeitungspapier: Unbedrucktes Recyclingpapier oder Seiten aus alten Zeitungen und Magazinen. Mit Naturschnur oder Stoff gebunden statt Plastikband.
- Furoshiki: Japanische Wickeltechnik mit einem Stück Stoff. Das Tuch ist Teil des Geschenks und kann weiterverwendet werden. Anleitungen finden sich online als kurze Videos.
- Wiederverwendbare Behälter: Das Geschenk in einem Einmachglas, einer Metalldose oder einer Brotdose verpacken. Der Behälter selbst ist ein Zusatzgeschenk.
- Aufbewahrungsboxen aus Naturmaterialien: Körbchen aus Seegras, Holzboxen oder Tonschalen, die nach dem Auspacken weiterverwendet werden.
Fair Trade und Bio als Orientierung beim Kauf
Wer Lebensmittel, Kosmetik oder Kleidung verschenkt, kann durch Siegel Orientierung finden. Fairtrade garantiert Mindestpreise für Kleinbauern und schließt ausbeuterische Kinderarbeit aus. Das EU-Bio-Siegel schreibt den Verzicht auf synthetische Pestizide und Kunstdünger vor. Das GOTS-Zertifikat (Global Organic Textile Standard) gilt für Textilien und prüft sowohl ökologische als auch soziale Kriterien entlang der gesamten Lieferkette.
Wichtig: Fairtrade und Bio sind verschiedene Siegel mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ein Produkt mit nur einem der beiden Siegel erfüllt jeweils nur einen Aspekt.
Nachhaltige Geschenke für Kinder
Plastikspielzeug aus Billigproduktion ist häufig kurzlebig und enthält teils problematische Weichmacher. Alternativen, die langlebiger und aus unbedenklicheren Materialien hergestellt sind:
- Holzspielzeug aus FSC-zertifiziertem Holz: Bauklötze, Puzzle, Fahrzeuge aus zertifiziertem Holz. Langlebig und reparierbar.
- Kreativsets mit wasserbasierter Farbe: Fingerfarben, Aquarellsets und Modelliertons ohne lösungsmittelhaltige Bestandteile.
- Bienenhotel-Bausatz: Gemeinsam gebaut, draußen aufgehängt. Fördert die Beschäftigung mit Wildtieren.
- Bücher über Natur und Tiere: Second-Hand-Kinderbücher in gutem Zustand sind oft günstiger als Neukauf und schonen Ressourcen.
- Pflanzsets für Kinder: Samen und Blumentopf zum Einpflanzen und Beobachten.
- Upcycling-Bastelsets: Materialien aus recycelten Quellen, die zu neuen Objekten verarbeitet werden können.
- Fair-Trade-Stofftiere: Aus fair gehandelten Materialien unter nachvollziehbaren Produktionsbedingungen hergestellt.

Zero Waste Geschenke: Ohne physischen Müll
Zero Waste bedeutet nicht null Müll, sondern die Minimierung von Abfall durch bewusste Auswahl. Für Geschenke heißt das: Dinge, die keine Einwegverpackung brauchen, lange genutzt werden oder vollständig wiederverwertbar sind.
- Wiederverwendbare Einkaufsnetze: Für Obst und Gemüse, ersetzt Einwegtüten.
- Glas- oder Edelstahl-Trinkflasche: Hält Jahre, ersetzt viele Einwegflaschen.
- Bambus-Zahnbürsten: Griff aus Bambus statt Kunststoff, biologisch abbaubar.
- Solarbetriebene Powerbank: Für Reisen und Outdoor ohne Netzstrom.
- Erlebnisgeschenke und Gutscheine: Kein physisches Produkt, kein Müll.
- E-Books oder digitale Abonnements: Ohne Papierdruck und physischen Versand.
- Second-Hand-Fundstücke: Aus Sozialkaufhäusern, Flohmärkten oder Online-Plattformen.
Upcycling als Geschenk: Einzigartiges aus Vorhandenem
Upcycling-Geschenke sind schwer kopierbar, weil sie aus spezifischen Ausgangsmaterialien entstehen. Aus alten Vinylplatten geformte Schüsseln, aus Fahrradschläuchen gefertigte Geldbörsen oder aus Holzpaletten gebaute Regale haben Charakter, den ein Kaufprodukt selten erreicht.
Bekannte Upcycling-Kategorien für Geschenke: Schmuck aus Uhrenteilen, Münzen oder Glasperlen; Taschen aus Segeltuch oder Jeans; Dekoration aus Weinkorken, Konservengläsern oder alten Karten; Küchenutensilien aus recyceltem Holz oder Metall.

Geschenke für Genießer: Lebensmittel und Erlebnisse
Bio-Weine aus deutschen Anbaugebieten, Fair-Trade-Kaffeesets aus verschiedenen Anbauregionen, handgemachte Schokolade in Tafelform mit nachvollziehbarer Kakaoquelle, oder ein Gutschein für eine Weinverkostung bei einem kleinen Weingut: Das sind Geschenke, die einen Anlass für Gespräche bieten.
Selbstgemachte Lebensmittel in wiederverwendbaren Gläsern funktionieren als Geschenk auch dann, wenn das Budget knapp ist. Ein Glas mit eigenem Chutney, Kräuteröl oder Nussmus ist persönlicher als ein anonymes Fertigprodukt.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=9BCCbrJXQqY


Wer beim Schenken auch auf die Verpackung der Alltagsprodukte achten möchte, findet im Artikel über nachhaltige Verpackungen einen Überblick zu Materialien und Recycling. Für das Thema Siegel und was sie bedeuten bietet der Artikel über nachhaltige Lebensmittel eine gute Orientierung.








