Die Beauty-Industrie produziert weltweit rund 120 Milliarden Verpackungen pro Jahr, der Großteil davon aus Kunststoff. Viele konventionelle Kosmetikprodukte enthalten Inhaltsstoffe, die sich in Gewässern kaum abbauen: Mikroplastik als Trägerstoff oder Abrasivum, Duftstoffe mit ökotoxischer Wirkung, Silikone, die biologisch nicht abbaubar sind. Nachhaltige Schönheitspflege setzt an zwei Punkten an: bei den Inhaltsstoffen und bei der Verpackung.
Das ist kein Nischenthema mehr. Der Markt für zertifizierte Naturkosmetik wächst in Deutschland seit Jahren zweistellig; laut Branchenverband COSMOS lag der Anteil naturkosmetischer Produkte am gesamten Kosmetikmarkt zuletzt bei rund 15 Prozent.

Was Naturkosmetik von konventioneller Kosmetik unterscheidet
Der Begriff „Naturkosmetik“ ist gesetzlich nicht geschützt. Das bedeutet: Jeder Hersteller kann sein Produkt als natürlich oder naturnah bezeichnen, ohne dass das einer unabhängigen Prüfung standhält. Der einzige verlässliche Weg sind zertifizierte Siegel von unabhängigen Stellen.
Naturkosmetik-Siegel schreiben vor, welche Inhaltsstoffe erlaubt und welche verboten sind:
- NATRUE: Internationaler Standard für Natur- und Biokosmetik. Schreibt einen definierten Mindestanteil natürlicher Inhaltsstoffe vor, verbietet synthetische Duftstoffe, Silikone, Mikroplastik und petrochemische Inhaltsstoffe. Drei Stufen: Naturkosmetik, Biokosmetik, Biokosmetik mit hohem Bio-Anteil.
- BDIH (Kontrollierte Naturkosmetik): Deutscher Standard, einer der ältesten Naturkosmetikstandards. Verbietet synthetische Duftstoffe, Farbstoffe und Konservierungsstoffe, Rohstoffe aus Erdöl und Silikone.
- Ecocert / COSMOS: Internationaler Standard, der in Europa weit verbreitet ist. Unterscheidet zwischen COSMOS Natural (mind. 95 % natürliche Inhaltsstoffe) und COSMOS Organic (hoher Bio-Anteil). Schreibt biologisch abbaubare Inhaltsstoffe vor.
- Demeter: Strenger biodynamischer Standard, der über Naturkosmetik-Anforderungen hinausgeht. Rohstoffe aus biodynamischer Landwirtschaft.
- Naturkosmetik verzichtet auf synthetische Inhaltsstoffe wie Silikone, Mineralöle und Mikroplastik.
- Produkte mit zertifizierten Siegeln sind oft ergiebiger, weil konzentrierter formuliert.
- Ohne Siegel sind Begriffe wie „natürlich“, „bio“ oder „sanft“ nicht prüfbar.
- Naturkosmetik verwendet Rohstoffe, die in der Regel biologisch abbaubar sind.

Selbst machen statt kaufen: Was DIY-Kosmetik kann
Selbstgemachte Kosmetik ermöglicht die vollständige Kontrolle über Inhaltsstoffe und erzeugt keinen Verpackungsmüll, wenn wiederverwendbare Behälter genutzt werden. Die wichtigsten Grundzutaten für DIY-Kosmetik:
Bienenwachs, Sheabutter, Kokosöl und Jojobaöl als Basissubstanzen für Cremes und Lippenpflege. Natron und Stärke für Deocreme. Apfelessig als Haarspülung. Ätherische Öle für Duft.
Welche Zutaten für welchen Zweck
| Zutat | Herkunft / Anbau | Typische Verwendung in DIY-Kosmetik |
|---|---|---|
| Sheabutter | Sheabaum (Westafrika), wächst wild ohne Pestizide | Körpercreme, Lippenpflege, Haarkur |
| Jojobaöl | Jojobastrauch (Trockengebiete), wenig Wasserverbrauch | Gesichtsöl, Abschminköl, Haarpflege |
| Kokosöl | Kokosnuss (Tropen), braucht wenig Wasser und keine Pestizide | Deocreme, Haarkur, Körperpflege |
| Avocadoöl | Avocado (hoher Wasserverbrauch, auf Herkunft achten) | Haarmaske, reichhaltige Körperpflege |
| Grüner Tee (Extrakt) | Teepflanze, Bio-Anbau verfügbar | Gesichtswasser, Tonikum |
Einfache DIY-Rezepte zum Einsteigen
Die folgenden Rezepte kommen ohne synthetische Konservierungsstoffe aus und erzeugen bei Verwendung von Mehrwegbehältern keinen Verpackungsmüll.
- Deocreme (aluminiumfrei)4 EL Kokosöl, 2 EL Natron, 2 EL Maisstärke und optional 5–10 Tropfen ätherisches Öl nach Wahl vermengen. Schmelzen, rühren, in ein sauberes Glastiegel füllen. Haltbarkeit: 2–3 Monate.
- Lippenbalsam2 TL Bienenwachs (oder Candelillawachs für vegane Variante) mit 2 TL Kokosöl und 1 TL Jojobaöl im Wasserbad schmelzen. Optional: 2–3 Tropfen Pfefferminzöl. In kleine Dosen oder Stifte abfüllen.
- Gesichtstonikum mit Rosenblüten2 EL getrocknete Rosenblüten (Bio) mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, 30 Minuten ziehen lassen, abseihen, abkühlen lassen. In eine Sprühflasche füllen. Im Kühlschrank 5–7 Tage haltbar.
Weitere bewährte DIY-Produkte:
- Gesichtsmaske aus Haferflocken, Honig und Joghurt: Gleiche Teile mischen, 10 Minuten einwirken lassen, abspülen.
- Peeling aus pürierten Kiwis, Zucker und Pflanzenöl: Sanft reinigend, keine synthetischen Abrasiva.
- Haarspülung aus Apfelessig: 1 EL Apfelessig auf 500 ml Wasser. Nach dem Shampoo einwirken lassen, ausspülen.
- Shampoo auf Seifenlauge-Basis: Mit Jojobaöl für trockene, ohne Öl für fettige Haare ergänzen.

Die tägliche Beauty-Routine nachhaltiger gestalten
Schrittweise umstellen ist wirksamer als ein radikaler Komplettaustausch. Wenn ein Produkt aufgebraucht ist, zertifizierte Naturkosmetik als Ersatz wählen statt es auf einmal wegzuwerfen:
- Laufende Produkte aufbrauchen, dann durch zertifizierte Bio-Naturkosmetik ersetzen.
- Multifunktionale Produkte nutzen: Ein Kokosöl ersetzt Körperpflege, Haarkur und Abschminken.
- Wiederverwendbare Abschminkpads statt Einwegpads aus Baumwolle oder Kunststoff.
- Festes Shampoo statt Flüssigshampoo: Spart Plastikverpackung, ist meist ergiebiger pro Gramm.
- Produkte in Glasbehältern oder Nachfüllpacks bevorzugen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=OLiSZ3E16k8
Nachhaltige Alternativen im direkten Vergleich
Folgende Marken und DIY-Optionen setzen auf natürliche, biologische und faire Rohstoffe, verzichten auf schädliche Chemikalien und Mikroplastik und engagieren sich für umweltfreundliche Verpackungen:
| Produktart | Herkömmliche Variante | Nachhaltige Alternative (Markenbeispiele) | Besonderheiten / Vorteile |
|---|---|---|---|
| Gesichtscreme | Konventionelle Cremes mit Silikonen, Parabenen | Dr. Hauschka, Weleda, Lavera | Bio-zertifizierte Inhaltsstoffe, fairer Handel, ohne Mikroplastik |
| Make-up | Konventionelles Make-up mit synthetischen Stoffen | RMS Beauty, 100% Pure, Lavera | Organische, natürliche Inhaltsstoffe, tierversuchsfrei, vegan möglich |
| Shampoo | Konventionelle Shampoos mit Sulfaten, Silikonen | Weleda, Lavera, Sante | Natürliche Tenside, ohne Mikroplastik, CO2-neutral produziert |
| Deo | Aluminiumhaltige Deos | DIY-Deocreme (Kokosöl, Natron), Weleda Deo | Aluminiumfrei, natürliche Duftstoffe |
| Lippenpflege | Lippenstifte mit synthetischen Wachsen | Dr. Hauschka, Lavera, RMS Beauty | Pflanzliche Wachse, Bio-Öle, ohne Mineralöle |
| Gesichtstonikum | Produkte mit Alkohol, Parfüm | Rosenwasser (DIY), Primavera | Natürliche Inhaltsstoffe, ohne Alkohol |
| Peeling | Mikroplastikhaltige Peelings | DIY-Peeling mit Zucker und Ölen, Sante | Biologisch abbaubar |
| Verpackung | Plastikverpackungen | Glas, Papier, recycelte Materialien (z.B. bei Lavera, Weleda) | Reduzierter Plastikverbrauch, recyclebar |

Verpackung: Was weniger Plastik in der Praxis bedeutet
Glasflaschen und -tiegel sind wiederverwendbar und recycelbar. Papier und Karton sind biologisch abbaubar, wenn sie nicht beschichtet sind. Feste Produkte (Shampoo, Seife, Deostick) brauchen deutlich weniger Verpackung pro Nutzungseinheit als flüssige. Nachfüllsysteme, bei denen nur der Inhalt nachgekauft wird, sparen Verpackungsmüll über die Nutzungsdauer.
Bei Glasverpackungen auf das FSC-Logo für Kartonbeilagen achten und auf Marken, die transparent über ihre Verpackungsstrategie berichten.

Wer beim Kauf von Kosmetik auch auf Siegel und Transparenz achten möchte, findet im Artikel über nachhaltige Lebensmittel eine Erklärung, wie Zertifizierungssysteme grundsätzlich funktionieren. Wer die Beautyprodukte in den Kontext des gesamten Haushaltseinkaufs einordnen möchte, findet im Artikel über nachhaltig Haushalten weitere Ansätze.








