Eine Hochzeit ist eines der ressourcenintensivsten Einzelereignisse im Leben der meisten Menschen. Catering für Dutzende oder Hunderte Gäste, ein Kleid, das einmal getragen wird, Blumen aus Übersee, Anreisen aus dem ganzen Land: Der ökologische Fußabdruck einer konventionellen Hochzeit ist erheblich. Gleichzeitig ist die Hochzeit ein emotionales Ereignis, bei dem Kompromisse schwerer fallen als im Alltag.
Die gute Nachricht: Nachhaltige Hochzeitsplanung bedeutet keinen Verzicht auf Stil oder Genuss. Der Wedding Award Germany, der größte Hochzeitsbranchenpreis im deutschsprachigen Raum, zeichnet regelmäßig Konzepte aus, die Ästhetik und ökologische Verantwortung verbinden. Der deutsche Hochzeitsmarkt hat laut aktuellen Branchenberichten ein Volumen von rund 6,5 Milliarden Euro jährlich. Nachhaltige Hochzeiten gelten laut Branchenreport als einer der stärksten Trends, besonders unter jüngeren Paaren.

Was eine Green Wedding ausmacht
Es gibt keine verbindliche Definition, aber klare Orientierungspunkte: Regionale Zulieferer statt langer Transportwege, Mehrweg und Leihe statt Einwegartikel, saisonale Produkte statt Angebote aus beheizten Gewächshäusern oder Übersee, faire Produktionsbedingungen bei Schmuck und Textilien, bewusster Umgang mit Einladungen und Papier.
Kein Aspekt davon ist schwarz-weiß. Ein Paar, das Bio-Catering aus der Region wählt, aber mit dem Flugzeug in die Flitterwochen fliegt, hat immer noch erhebliche Stellschrauben. Wer auf alle Aspekte gleichzeitig achten möchte, verliert sich in Detailfragen. Sinnvoller ist eine Priorisierung: Welche Entscheidungen sind besonders aufwändig zu ändern, und welche lassen sich ohne großen Aufwand anders gestalten?
Einladungen und Kommunikation
Einladungen aus Recyclingpapier, Bambus oder handgeschöpftem Papier sind eine einfache Weichenstellung zu Beginn. Viele Hersteller arbeiten mit FSC-zertifiziertem Papier und ressourcenschonenden Druckverfahren. Wer konsequent sparen möchte, wählt digitale Einladungen per E-Mail oder über Hochzeits-Websites. Das spart nicht nur Papier, sondern auch Portokosten und Druckaufwand für Rückmeldekarten.
Location und Anreise
Die Anreise der Gäste ist ein großer Posten im CO2-Budget einer Hochzeit. Je weiter die Gäste reisen müssen, desto größer die Emissionen. Eine Location in der Nähe des Wohnorts beider Familien verringert diesen Posten. Wer trotzdem eine entferntere Location wählt, kann einen Shuttle-Service organisieren, der Gäste sammelt und gemeinsame Anreise per Bahn oder Bus ermöglicht.
Bio-Hotels, Landgüter mit eigener Lebensmittelproduktion und Hofgüter mit Festscheune liegen oft außerhalb von Städten, bieten aber kurze Wege zwischen Zeremonie und Feier und haben häufig bereits ressourcenschonende Konzepte. Wer Innen- und Außenbereiche kombinieren möchte, spart Strom durch natürliches Licht und muss keine Heizkanonen für beheizte Außenzelte aufstellen.
Essen und Getränke
Beim Catering gibt es viele Ansatzpunkte: Regionale Produkte aus biologischem Anbau, saisonales Gemüse und weniger Fleisch auf der Karte sind Entscheidungen, die den Speiseplan vom Bezug her anders aufstellen als ein konventionelles Hochzeitsmenü. Wer nicht vollständig auf Fleisch verzichten möchte, kann ein Menü mit einem Fleischgang und mehreren vegetarischen Gängen anbieten, oder hochwertiges Fleisch aus regionaler, extensiver Haltung statt Billigfleisch aus Massenproduktion wählen. Eine Abstimmung mit dem Caterer über die Herkunft der Produkte ist der erste Schritt.
Beim Wein und Sekt gibt es zertifizierte Bioweine aus deutschen Anbaugebieten. Wer regionale Brauereien und Winzer einbindet, stärkt gleichzeitig die lokale Wirtschaft.
15 Tipps für eine Green Wedding
- Geschenktisch: Ein Tisch aus Holz, idealerweise geliehen oder Second Hand, macht den Anfang. Als Geschenkidee für die Gäste eignen sich Erlebnisse statt Dinge, Spenden an gemeinnützige Organisationen oder Baumpflanzprojekte statt weiterer Haushaltsgegenstände.
- Kleidung: Beim Brautkleid auf zertifizierte Naturfasern wie Bio-Baumwolle oder Bio-Leinen achten, erkennbar am GOTS-Siegel. Lokale Schneider statt internationaler Modelabels verkürzen Transportwege. Kleider, die nach der Hochzeit weitergetragen oder in einer anderen Farbe genutzt werden können, sind sinnvoller als Einmalstücke. Auch Second-Hand-Kleider in guter Qualität sind eine Option.
- Essen: Bio-Sekt und Bioweine aus deutschem Anbau sind gut verfügbar. Wer beim Caterer nach der Herkunft der Zutaten fragt und saisonale Produkte aus der Region bevorzugt, trifft bewusstere Einkaufsentscheidungen als mit einem Standard-Cateringsortiment.
- Anreise: Zeremonie und Feier nah beieinander planen, um Fahrwege zu verkürzen. Ein gemeinsamer Shuttlebus für Gäste aus derselben Stadt vermeidet viele Einzelfahrten. Für Paare mit mutigen Ideen: Pferdekutsche oder Lastenfahrrad sind möglich, wenn die Distanzen es erlauben.
- Tischdeko: Kräutertöpfe, Lavendel oder Wildblumen aus dem eigenen Garten oder von regionalen Gärtnern brauchen keine langen Transportwege. Als Gastgeschenk können die Töpfe mitgenommen werden, was die Tischdeko zur dauerhaften Erinnerung macht.
- Hochzeitsreise: Ziele in Deutschland, Österreich oder der Schweiz per Zug statt Fernflüge. Wanderregionen, Seen, Ostsee und Alpen bieten unvergessliche Flitterwochen ohne Langstreckenflug.
- Hochzeitsdatum: Wer in der Nebensaison heiratet, findet günstigere Locations, weniger Konkurrenz um Dienstleister und oft persönlichere Betreuung. Die bestehende Infrastruktur wird zu einem weniger gefragten Zeitpunkt genutzt.
- Location: Bio-Hotels, Hofgüter und Landgüter mit regionaler Küche sind gute Kandidaten. Wer eine Location mit Innen- und Außenbereich kombiniert, spart Energie. Die Nähe zu Kirche oder Standesamt reduziert Transferwege.
- Gästeliste: Weniger Gäste bedeuten weniger Anreisen, weniger Catering, weniger Abfall und weniger Energieverbrauch. Eine Micro-Wedding mit unter 30 Personen ist nicht nur in diesen Punkten sparsamer, sondern laut Hochzeitsforschern auch oft persönlicher und emotional intensiver.
- Einladungen: Digitale Einladungen sparen Papier komplett. Wer Papiereinladungen bevorzugt, wählt FSC-zertifiziertes Recyclingpapier und eine Druckerei mit ressourcenschonenden Druckverfahren. Einladungen aus handgeschöpftem Papier, Bambus oder Hanfpapier sind ebenfalls verfügbar.
- Dankeskarten: Digitale Dankeskarten per E-Mail mit persönlichen Fotos sind schnell, kostenlos und ressourcenfrei. Wer trotzdem Papier wählt, kombiniert es mit einem persönlichen Satz statt vorgedruckter Floskeln.
- Hochzeitsschmuck: Fairtrade-zertifizierter Schmuck steht für faire Arbeitsbedingungen und nachvollziehbare Herkunft. Vintage-Schmuck oder Erbstücke umgehen die Neuproduktion komplett und sind oft einzigartiger als Standardware.
- Floristik: Saisonale Wildblumen und Kräuter aus regionalem Anbau brauchen keine Importwege. Viele regionale Gärtner bieten Hochzeitsfloristik mit eigenem Anbauprogramm an. Getrocknete Blumen aus dem Vorjahresgarten sind eine weitere Option, die Wochen im Voraus vorbereitet werden kann.
- Leihen statt kaufen: Dekoration, Geschirr, Gläser, Tischdecken, Brautkleid und Brautschuhe können geliehen werden. Viele Hochzeitsausstatter bieten Leihmodelle an. Das spart Geld und verhindert, dass Gegenstände nach einmaligem Gebrauch im Lager verstauben.
- Hochzeitstorte: Eine Torte mit Bio-Zutaten aus regionalen Bäckereien oder Konditoreien, vegetarisch oder vegan, ist eine Möglichkeit. Wer selbst backt oder backen lässt, hat die Kontrolle über alle Zutaten. Tortenständer und Dekoration können geliehen werden.
Wer die eigene Hochzeit ökologisch planen möchte und auch bei der Feier nachhaltige Ernährung in den Mittelpunkt stellen will, findet im Artikel über nachhaltige Lebensmittel konkrete Kriterien für Bio, Regional und Fairtrade. Für Brautpaare, die über einen veganen oder vegetarischen Menüplan nachdenken, bietet der Artikel über vegetarische Ersatzprodukte Inspiration für Menüoptionen.








