Reisen verursacht erhebliche CO2-Emissionen. Ein Kurzstreckenflug von Berlin nach Nizza erzeugt pro Person rund 307 Kilogramm CO2-Äquivalente. Dieselbe Strecke mit der Bahn kommt auf rund 47 Kilogramm – knapp ein Siebtel. Der Unterschied zwischen den Verkehrsmitteln ist damit der mit Abstand größte Hebel beim Thema Reisen und Klimabilanz. Was Unterkunft, Aktivitäten und Essen vor Ort dazu beitragen, liegt dahinter.
Das bedeutet nicht, dass Reisen pauschal aufgegeben werden sollte. Es bedeutet, dass die Wahl des Verkehrsmittels und die Reisedauer mehr entscheiden als die meisten anderen Faktoren. Wer einmal im Jahr zwei Wochen am selben Ort verbringt und mit dem Zug anreist, hat in der Klimabilanz einen anderen Ausgangspunkt als jemand, der drei Kurztrips per Flugzeug unternimmt.

Verkehrsmittel: Wo die Klimabilanz wirklich entschieden wird
Die Emissionsfaktoren verschiedener Verkehrsmittel unterscheiden sich erheblich. Das Umweltbundesamt und EcoPassenger-Berechnungen geben folgende Durchschnittswerte:
| Verkehrsmittel | CO2e pro Personenkilometer | Beispiel Berlin–Nizza |
|---|---|---|
| Flugzeug (Kurzstrecke, Economy) | ca. 186 g/Pkm | ca. 307 kg CO2e |
| Pkw (Einzelperson, Benzin) | ca. 150–200 g/Pkm | ca. 205 kg CO2e |
| Fernbus | ca. 25–30 g/Pkm | ca. 36 kg CO2e |
| Bahn (DB Fernverkehr, Ökostrom) | ca. 15–50 g/Pkm | ca. 47 kg CO2e |
| Fahrrad / zu Fuß | 0 g/Pkm | 0 kg CO2e |
Wichtiger Hinweis: Flugzeuge stoßen CO2 und weitere Substanzen wie Stickoxide und Wasserdampf in großen Höhen aus. Der Klimaeffekt durch diese Höhenemissionen liegt laut Studien deutlich über dem reinen CO2-Wert. Das Umweltbundesamt empfiehlt, diesen Multiplikatoreffekt bei Flugreisen einzukalkulieren.
Ab Juli 2025 vergibt die Europäische Luftsicherheitsagentur EASA erstmals standardisierte CO2-Emissionslabels für Flüge innerhalb der EU. Das ermöglicht erstmals einen vergleichbaren Überblick über die Klimabilanz einzelner Flugverbindungen.
Unterkunft: Worauf es ankommt
Ökologisch zertifizierte Unterkünfte setzen auf erneuerbare Energien, Regenwassernutzung und regionale Lebensmittel im Catering. Das EU-Ecolabel für Beherbergungsbetriebe schreibt konkrete Anforderungen an Energie- und Wasserverbrauch vor und ist öffentlich einsehbar.
Camping verbraucht weniger Energie und Ressourcen pro Gast als Hotels, variiert aber erheblich je nach Campingplatz. Wer Duschwasser aus Solaranlagen und Strom aus erneuerbaren Quellen nutzt, hat eine andere Bilanz als ein konventionell betriebener Campingplatz. Die Zertifizierung des Campingplatzes – etwa über EU-Ecolabel oder ADAC-Bewertung – gibt Orientierung.
Kleine Pensionen und Familienbetriebe kaufen häufig regional ein und haben kürzere Lieferketten als Hotelketten. Das ist kein garantiertes Qualitätsmerkmal, aber ein Anhaltspunkt, der sich durch Nachfragen vor Ort klären lässt.

Essen auf Reisen
Wer auf Reisen regional und saisonal isst, wählt Lebensmittel mit kürzeren Transportwegen. Das gilt unabhängig vom Reiseziel: Ein saisonales Menü in einem lokalen Restaurant in Südfrankreich hat andere Bezugsquellen als ein internationales Buffet im Kettenhotel. Lebensmittelverschwendung ist ein weiterer Faktor, der auch beim Urlaub relevant ist.
Mehrwegbehälter für Wasser, Kaffee oder Snacks reduzieren Einwegverpackungen auf Reisen. Viele Städte haben öffentliche Trinkwasserbrunnen, die Wasserflaschen überflüssig machen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=z9kindUptcM
Aktivitäten vor Ort
Wandern, Kanufahren, Radfahren und andere nicht-motorisierte Aktivitäten verbrauchen keinen fossilen Kraftstoff. Sie ermöglichen außerdem eine andere Wahrnehmung der Landschaft als motorisierte Touren.
Wer Touren und Stadtführungen von lokalen Anbietern bucht, unterstützt die örtliche Wirtschaft direkt. Massentouristische Angebote großer internationaler Veranstalter haben andere Wertschöpfungsstrukturen.

Müll auf Reisen
Einwegplastik, Verpackungsmüll und unsachgemäße Entsorgung sind in touristischen Gebieten ein sichtbares Problem. Wiederverwendbare Flaschen, Taschen und Behälter reduzieren den Verpackungsanfall. Müll in fremden Ländern immer in den vorhandenen Behältern entsorgen und die lokalen Regeln zur Mülltrennung beachten.
Überblick: Was beim Reisen ökologisch ins Gewicht fällt
- Verkehrsmittel zuerst entscheiden: Bahn oder Fernbus statt Kurzstreckenflug. Bei unvermeidlichen Flugreisen: Direktflüge statt Umstiegsflüge, Economy statt Business Class (geringerer Flächenverbrauch pro Person).
- Länger an einem Ort bleiben: Zwei Wochen an einem Ziel verteilen die An- und Abreiseemissionen auf mehr Urlaubstage als zwei kurze Trips.
- Zertifizierte Unterkunft wählen: EU-Ecolabel oder vergleichbare Zertifizierungen geben Orientierung. Direkt nachfragen, was die Unterkunft konkret tut.
- Vor Ort ohne Auto: Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrradverleih und zu Fuß gehen statt Mietwagen. Viele europäische Städte haben gut ausgebaute ÖPNV-Systeme für Touristen.
- Regional essen: Lokale Märkte, Restaurants mit regionalen Zutaten statt Hotelketten mit internationalen Lieferketten.
- Müll vermeiden: Mehrwegflasche mitbringen, Plastiktüten ablehnen, Müll sachgemäß entsorgen.
- Lokale Anbieter wählen: Stadtführungen, Ausflüge und Aktivitäten bei kleinen lokalen Anbietern buchen statt bei internationalen Plattformen.
Wer beim Reisen auch die Ernährung im Blick behalten möchte, findet im Artikel über nachhaltige Lebensmittel Hintergründe zu regionalen und saisonalen Produkten. Wer auch zuhause bewusster mit Ressourcen umgeht, findet im Artikel über nachhaltige Verpackungen praktische Ansätze für den Alltag.








