Als Ökostrom wird Strom bezeichnet, der aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird, also aus Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse. Der Begriff allein sagt dabei noch wenig aus, denn nicht jedes Produkt, das als Ökostrom vermarktet wird, hat dieselbe Qualität und denselben Effekt auf den tatsächlichen Ausbau erneuerbarer Energien. Wer beim Stromanbieter wechselt, sollte wissen, worauf es ankommt.

Was Ökostrom wirklich bedeutet
Strom lässt sich physikalisch nicht kennzeichnen. Wer zu Hause Ökostrom bezieht, bekommt denselben Strom aus der Steckdose wie jeder andere auch. Der Unterschied liegt auf der Abrechnungs- und Zertifizierungsebene: Der Anbieter weist nach, dass er für die gelieferte Strommenge eine entsprechende Menge aus erneuerbaren Quellen ins Netz eingespeist oder eingekauft hat.
Das Nachweissystem funktioniert über sogenannte Herkunftsnachweise. Für jede Megawattstunde, die eine Wind- oder Solaranlage erzeugt, wird ein Zertifikat ausgestellt. Dieses Zertifikat kann der Erzeuger an einen Stromhändler verkaufen, der es dann zur Kennzeichnung seines Stromprodukts einsetzt. Das Problem dabei: Ein Anbieter könnte preiswerte Herkunftsnachweise aus norwegischer Wasserkraft kaufen und damit formal Ökostrom verkaufen, ohne dass dadurch ein einziges neues Windrad oder Solarpanel in Deutschland entsteht.
Quellen für Ökostrom
Ökostrom kann aus verschiedenen erneuerbaren Quellen stammen:
- Windkraft: Onshore- und Offshore-Windanlagen sind die größte erneuerbare Stromquelle in Deutschland. 2025 lieferte Windkraft rund 132 TWh (Fraunhofer ISE).
- Photovoltaik: Strom aus Sonnenenergie. 2025 rund 91,6 TWh, installierte Leistung fast 120 GW. Wächst am schnellsten von allen erneuerbaren Quellen.
- Wasserkraft: Laufwasserkraftwerke und Pumpspeicherkraftwerke. Kleinwasserkraftwerke ohne großen Eingriff in Ökosysteme sind besonders anerkannt.
- Biomasse und Biogas: Organische Materialien, die Strom und Wärme liefern. Grundlastfähig, aber mit Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion verbunden.
- Geothermie: Erdwärme, in Deutschland vor allem für Fernwärme genutzt. Stromerzeugung aus Tiefengeothermie ist technisch möglich, aber noch wenig verbreitet.
Ökostrom und der Haushaltsstrompreis
Lange galt Ökostrom als teurer als konventioneller Strom. Das hat sich verändert. Viele Ökostromanbieter liegen heute preislich auf dem Niveau konventioneller Tarife oder nur geringfügig darüber. Der Haushaltsstrompreis lag Anfang 2026 laut Bundesnetzagentur im Bundesdurchschnitt bei rund 29 bis 31 Cent pro Kilowattstunde. Dabei entfällt ein erheblicher Teil nicht auf die Erzeugung, sondern auf Netzentgelte, Steuern und Abgaben, die für alle Stromprodukte gleichermaßen anfallen.
Preisunterschiede zwischen Ökostromanbietern entstehen vor allem durch unterschiedliche Beschaffungsstrategien, regionale Netzentgelte und die Qualität der Ökostromzertifizierung. Ein Anbieter, der selbst in Neuanlagen investiert, hat in der Regel höhere Kosten als einer, der günstige Herkunftsnachweise einkauft.
Wie Ökostrom wechseln funktioniert
Der Wechsel zu einem Ökostromanbieter ist in der Regel unkompliziert und dauert online wenige Minuten. Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung beim alten. Der Strom fließt dabei weiterhin ohne Unterbrechung durch dasselbe Netz.
Worauf es beim Anbietervergleich ankommt:
- Zertifizierung prüfenAnbieter mit Grüner Strom Label, ok-power oder EU-Umweltzeichen erfüllen strengere Kriterien als reine Herkunftsnachweisprodukte. Diese Information findet sich auf der Anbieterwebsite oder in unabhängigen Vergleichsportalen.
- Tarif und Laufzeit vergleichenJahresverbrauch (kWh) als Grundlage nehmen. Auf Grundpreis, Arbeitspreis und eventuelle Preisgarantien achten. Verträge ohne lange Mindestlaufzeit bieten mehr Flexibilität.
- Wechsel beauftragenDen Wechsel direkt beim neuen Anbieter beantragen. Dieser übernimmt die Kündigung beim bisherigen Versorger. Starttermin und Lieferbeginn werden bestätigt.
Ökostrom zuhause erzeugen
Neben dem Bezug von zertifiziertem Ökostrom gibt es die Möglichkeit, selbst Strom zu erzeugen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert eigenen Solarstrom, der im Haushalt verbraucht oder ins Netz eingespeist wird. Seit 2023 gilt für private Hauseigentümer 0% Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen.
Wer keine Dachanlage installieren kann oder möchte, hat mit Balkonkraftwerken eine günstigere Einstiegsoption. Geräte bis 800 Watt Einspeiseleistung sind in Deutschland ohne aufwändige Anmeldung nutzbar, müssen aber im Marktstammdatenregister registriert werden.
Mehr zur Planung und Wirtschaftlichkeit einer eigenen Anlage steht im Artikel Solaranlagen für das eigene Haus. Einen Überblick über alle erneuerbaren Energiequellen bietet der Beitrag zu erneuerbaren Energien.
Wer auf Ökostrom wechselt oder selbst Strom erzeugt, trifft eine Entscheidung, die über die eigene Stromrechnung hinausgeht. Zertifizierte Produkte und eigene Anlagen fördern den tatsächlichen Ausbau erneuerbarer Kapazitäten, auf den der Umbau des deutschen Energiesystems angewiesen ist.
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